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Ein Fledermausjahr

Je nach Großwetterlage und Durch­schnitts­temperatur wachen unsere Fledermäuse zwischen Ende Februar und Ende April aus dem Winterschlaf auf. Dabei spielt ein gewisses „Zeitgefühl“ – sozusagen eine innere Uhr – eine Rolle.

Ist das Frühjahr nass und kalt, bleiben die Fledermäuse gerne länger in ihrem Winterquartier. Die Jagd lohnt sich nicht – es sind noch keine Insekten unterwegs. Dann fallen die Tiere wieder in einen winterschlafähnlichen Zustand – Tageslethargie genannt – um Energie zu sparen.

Wenn die Nächte schließlich wärmer werden, steigt auch der Jagderfolg der Fledermäuse und sie nehmen an Gewicht zu. Gleich nach dem Winterschlaf beziehen Fledermäuse verschiedene Zwischenquartiere, spätestens gegen Ende Mai kommen sie aber in ihren Sommerquartieren an.

mausohr-wochenstube-c-forstmeier-ForstmeierDie Weibchen beziehen Jahr für Jahr dieselben Sommerquartiere – genannt Wochenstuben –, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen. Diese Kolonien können bisweilen beachtliche Größen erreichen. Mausohren bilden manchmal Kolonien von über 1000 Tieren und bewohnen gerne große Dachböden.

Der Grund für den Umzug vom Winter- ins Sommerquartier ist die Temperatur: In unseren Höhlen herrschen das ganze Jahr über gleiche Bedingungen – ideal zum Überwintern, aber im Sommer sind 5 bis 8 °C einfach zu kalt, insbesondere für die Fledermausjungen. Da ist es in einem großen Dachboden, der sich tagsüber in der Sonne aufwärmt, viel angenehmer.

Sollte es an heißen Tagen zu warm werden, suchen die Fledermäuse die kühleren Ecken des Dachbodens auf.

m-mybr-wochenstube-c-polner-nikoAllerdings bewohnen nicht alle Fledermausarten Dachböden. Viele bevorzugen Spaltenquartiere – je enger, desto lieber; manche im Fels oder an Häusern, andere in Bäumen. Wieder andere – wie die Bechsteinfledermaus – besiedeln Baumhöhlen. Auf diese Weise vermeiden die einzelnen Arten übermäßige Konkurrenz um die Wochenstubenquartiere.

So gern die Fledermausweibchen sich im Sommerquartier gesellig verhalten, auf die Jagd gehen sie alleine. Und so hat jede Fledermaus ihre eigenen Jagdgebiete, die sich meist nur wenig mit denen der anderen Weibchen überlappen.

Das heißt allerdings, dass große Kolonien auch große und weitläufige Gebiete für die Jagd brauchen.
Je größer die Kolonie, umso weiter müssen einzelne Tiere Nacht für Nacht fliegen, um an ihr Fressen zu gelangen – manchmal über 20 Kilometer weit.

 

Im Juni oder Juli kommen die Fledermausbabys zu Welt – zuerst
noch nackt und blind, aber schon in der Lage, sich festzuklammern. Fledermausmütter nehmen ihre Jungen nicht mit zur Jagd, sie müssen schon ab der ersten Nacht alleine bleiben. Zum Glück können sich die Jungtiere einer Wochenstube zusammenkuscheln, um sich zu wärmen und zu unterhalten.

Ein Fledermausjunges bringt schon bei der Geburt rund 1/3 des Gewichts der Mutter auf die Waage (1-30g). Dank der fettreichen Muttermilch wachsen die Jungen schnell heran und ab Ende Juli unternehmen sie ihre ersten Flugversuche. In den nächsten zwei
Wochen müssen sie lernen, erfolgreich zu jagen, denn nur so lange steht ihnen die Milch der Mutter noch zur Verfügung. Wenn die Jungen entwöhnt sind,
verlassen die Weibchen oft schlagartig das Sommerquartier.

Und was machen die Männchen?
Nun, die sind im Sommer natürlich auch aktiv. Bei einigen Arten bilden auch die Männchen Kolonien, andere verbringen den Sommer einzeln. Tatsächlich ist aber wenig bekannt, was die Fledermaus-Herren den Sommer über so treiben – ganz bestimmt gehen sie aber auf Insektenfang…

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Der Herbst steht ganz im Zeichen des großen Fressens. Die Fledermäuse müssen sich einen Fettvorrat zulegen, um den Winter zu überstehen. Einige Arten versammeln sich dann in großen Schwärmen vor bestimmten Höhlen. Wozu diese Massentreffen allerdings genau dienen, ist noch nicht vollständig geklärt. Möglicherweise werden den Jungtieren mit diesen auffälligen Massenflügen ihre Winterquartiere gezeigt.

Der Herbst ist außerdem die Zeit der Paarung. Nun sind die Männchen gefragt. Sie beziehen ihre Paarungsquartiere. Dort versuchen sie dann mit Balzgesängen, die manchmal auch für uns Menschen hörbar sind, Weibchen anzulocken und Rivalen auf Distanz zu halten. Manche Arten bilden einen kleinen Harem, bei anderen sucht das Weibchen mehrere Männchen in deren Quartier auf. Von den Großen Hufeisennasen weiß man, dass ein Weibchen bisweilen mehrere Jahre hintereinander das gleiche Männchen zum Vater ihrer Jungen erwählt.
Die eigentliche Schwangerschaft beginnt aber erst im nächsten Frühjahr. Die Spermien werden vom Weibchen gespeichert und die Befruchtung erfolgt beim nächsten Eisprung – und der findet bei Fledermäusen gewöhnlich erst im Frühjahr statt.